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Von Notfallpsychologie bis Traumatherapie: Konzepte und berufspolitische Perspektiven

Dieses Thema wurde im Rahmen des BDP-Landestreffens von der Notfallpsychologin und Traumatherapeutin  Ingrid Ingeborg Koop vorgestellt. Der Vortrag skizziert psychologische Einsatzbereiche auf dem Gebiet der  Psychotraumatologie.

Primäre Prävention wird als erstes notfallpsychologisches Arbeitsfeld angesehen mit dem Ziel der Vorsorge für berufsbedingte psychische Belastungen und Traumatisierungen. Durch Schulungen, MitarbeiterInnenweiterbildung und Beratung von Führungspersonal werden Menschen mit einem erhöhten beruflichen Traumatisierungsrisiko (Verkehrsbetriebe, Feuerwehr, Rettungsdienste, Banken u.a.) für die bessere Bewältigung extremer Ereignisse vorbereitet.

 

Nicht jedes erlebte Trauma macht krank. In der Notfallpsychologie geht es daher um Bewältigung und Krankheitsprävention nach einem gestuften Ma▀nahmenkatalog.  Sekundäre Prävention greift direkt nach einem erlebten Trauma bis zu etwa sechs Monaten danach als zweites Arbeitsfeld der Notfallpsychologie. Psychische erste Hilfe, psychologisches Debriefing und notfallpsychologische Interventionen wie das kognitiv-emotionale Traumabewältigungsprogramm unterstützen in dieser Zeit die Verarbeitung eines traumatischen Erlebnisses. Sie nehmen Einfluss auf die kognitiven Abspeicherbedingungen, um bewältigende Verarbeitungsprozesse zu fördern und Fehlverarbeitungen vorzubeugen. Psychoedukation und Ressourcenorientierung stehen im Mittelpunkt. Nach einem salutogenen Grundkonzept wird so psychologische Stressbewältigung durchgeführt, die späteren psychischen Erkrankungen vorbeugt.

 

Erst wenn die notfallpsychologischen Interventionen nicht ausreichen – entweder weil nach drei bis sechs Monaten Traumreaktionen unverändert anhalten oder weil die Traumärfahrungen der Betroffenen biographisch zu komplex sind – kann man von einer „krankheitswertigen Störung“ sprechen im Sinne der deutschen Psychotherapierichtlinien. Dann ist eine traumatherapeutische Behandlung erforderlich.

 

NotfallpsychologInnen bewegen sich in der Abgrenzung zu anderen Berufsgruppen in der Ersthilfe wie SeelsorgerInnen oder RettungssanitäterInnen, aber auch innerhalb der eigenen Berufsgruppe in der Abgrenzung zu PsychotherapeutInnen, die eine psychische Krankheit behandeln. In der Notfallpsychologie sind psychologische Kernkompetenzen gefragt, die in der Regel  mit dem Diplomstudium erworben werden. Darüber hinaus ist eine spezielle Fortbildung nötig, zusätzlich oder unabhängig von psychotherapeutischer Ausbildung. Gesellschaftlich gesehen dürfen Krankenkassen nicht mit Psychotherapiekosten belastet werden, wo andere Kostenträger wie Versicherungen oder Berufsgenossenschaften für Bewältigung und Prävention zuständig sind. Es bleibt eine Herausforderung, die spezielle notfallpsychologische Kompetenz sorgfältig und qualifiziert in Kooperation mit anderen Fachrichtungen einzubringen. Das BDP-Curriculum zur Notfallpsychologie bietet eine Möglichkeit der Weiterqualifizierung.